Presse
Sindelfinger Zeitung
/ Böblinger Zeitung
Artikel vom: 29.01.2010
Talent eifert„Mister 147“ nach
Von unserer Mitarbeiterin Susanne Degel
Die World Snooker Main Tour machte neulich Station in London.
Dort lieferten sich der Schotte Stephen Maguire und der Engländer
Mark King ein spannendes Duell. Einer, der die Partie zwischen dem Dritten
und dem 16. der Weltrangliste gespannt am Fernsehen verfolgt hat, war
Wladimir Ponomarenko – seines Zeichens amtierender deutscher U16-Meister
im Snooker, einer Variante des Präzisionssports Billard.
„Wenn Turniere im Fernsehen gezeigt werden, sitze ich oft davor“,
sagt der 16-Jährige. Auch, um sich von den Profis einiges abzuschauen.
Denn einen Trainer gibt es bei seinem Heimatverein, dem Planet Pool
(PP) Böblingen, nicht. „Das Meiste bringe ich mir selbst
bei“, sagt der gebürtige Weißrusse, der als Siebenjähriger
von Minsk nach Stuttgart gekommen ist.
Fünf Mal Training pro Woche
Vier- bis fünfmal in der Woche fährt er zu Übungszwecken
nach Böblingen. 45 Minuten dauert die Fahrt mit öffentlichen
Verkehrsmitteln. Da bleibe zwar viel Zeit auf der Strecke, doch ohne
intensives Training stünde man beim Snooker auf verlorenem Posten.
„Man braucht Tausende von Stößen, bis mal was zur Routine
wird“, sagt der Gymnasiast, einer von ganz wenigen Nachwuchsspielern
in Baden-Württemberg.
Seine Leidenschaft für das für einen Teenager eher ungewöhnliche
Hobby hat er vor knapp vier Jahren entdeckt. Auch damals saß er
vor dem Fernseher und hat –rein zufällig – in eine
Snookerpartie gezappt. Mit seinem Vater, einem Programmierer, hat er
später im Internet den Böblinger Verein ausfindig gemacht.
„Als ich das erste Mal dort gespielt habe, hat nichts geklappt“,
sagt der Elftklässler vom Vaihinger Fanny-Leicht-Gymnasium und
grinst. Trotzdem ist er dabei geblieben. „Es hat Spaß gemacht.
Mir gefällt es, die Kugeln einzulochen“, sagt er. Snooker
sei kein hektisches Spiel, man brauche gute Nerven und müsse immer
mit dem Kopf bei der Sache sein.
Vor einem Jahr nun hat er das Kicken beim TSV Rohr aufgegeben und dafür
das Snooker-Training intensiviert. Nicht ohne Grund: der 16-Jährige
hat Talent und Potenzial. Auch der Landestrainer Frank Schröder,
bei dem er im vergangenen Frühjahr vor den nationalen Titelkämpfen
zwei Kurzlehrgänge absolviert hat, hat dies erkannt.
Die 2. Bundesliga als Nah-Ziel
„Die 2. Bundesliga traut er mir schon bald zu“, sagt Wladimir
Ponomarenko, der mit dem PP Böblingen in der Oberliga spielt. Allerdings
ohne großen Erfolg. Die beiden Böblinger Teams belegen derzeit
den letzten und vorletzten Platz. Dabei dürfte es aber ohnehin
nur noch eine Frage der Zeit sein, ehe der Teenager zum Billard-Club
(BC) Stuttgart wechselt, der mit seiner ersten Mannschaft in der 2.
Bundesliga vertreten ist. Einziges Problem: Das Spiellokal des BC befindet
sich in Ludwigsburg. Und weil das mit Bus und Bahn nur schlecht zu erreichen
sei, sei an einem Wechsel derzeit nicht zu denken.
Um dennoch intensiver trainieren zu können, sucht er jetzt einem
geeigneten Raum, in dem er seinen eigenen Snookertisch aufstellen kann.
„Ich will ja stetig besser werden und künftig auch mehr Turniere
spielen“, sagt der 16-Jährige, dessen großes Vorbild
Ronnie O’Sullivan ist. Der 34-jährige Engländer, die
Nummer eins der offiziellen Weltrangliste, habe Snooker „einfach
im Blut“. 1997 ist O’Sullivan, auch „Mister 147“
genannt, das schnellste Maximum Break gelungen. In 5:20 Minuten hat
er alle Bälle eingelocht und damit die Höchstpunktzahl von
147 erreicht, ohne dass sein Gegner ein einziges Mal an den Tisch gekommen
ist. Eine Leistung, die Wladimir Ponomarenko freilich noch nicht annähernd
gelungen ist. 41 Punkte hat er einmal in Serie bei einem offiziellen
Turnier verbucht, inoffiziell, sagt er, seien es sogar einmal 75 gewesen.
Ein Grund mehr also, täglich zum Queue zu greifen. Schließlich
will der Talentierte selbst einmal Profi werden und bei der Main Tour
mitspielen.
„Das ist mein größter Traum“, sagt er. Ob sich
dieser erfüllen lässt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.