Presse

Kreiszeitung Böblinger Bote

Artikel vom: 08.03.2007

"Frauen sind nicht schlechter"

Böblingen - Billard gilt als Männersport. Das Klischee: harte Kerls, die Bier trinkend und Zigarette rauchend in dunklen Pubs gegen die Kugeln stoßen, ohne eine Miene zu verziehen. Doch längst greifen auch Frauen zum Queue und behaupten sich in der Männerdomäne.

Die KREISZEITUNG hat sich mit Sandra Fürst, Psychologin und Billardspielerin im Planet Pool Böblingen, über den Geschlechterkampf beim Pool Billard unterhalten.

Spielen Frauen schlechter als Männer?

Nun, wenn man die Leistungen der Frauen in Deutschland denen der Männer gegenüberstellt, könnte man dies vermuten. Jedoch glaube ich, dass das Kriterium nicht der Unterschied zwischen Männern und Frauen sein sollte, sondern das Alter, in dem man mit dem Spielen begonnen hat. In den frühen 80ern haben bei einigen Tests des verstorbenen Hirnforschers Jean Paget dreijährige Mädchen wie Jungen ein gleiches Gefühl für Mathematik und räumliches Sehen gezeigt; das beweist zumindest mir, das gleiche Aufgaben im gleichen Alter ein vergleichbares Resultat bringen.

In welchem Alter sollte der Nachwuchs mit Billardspielen beginnen?

Ich halte fünf bis sieben Jahre für einen guten Start, um mit diesem Sport zu beginnen. Es hat sich herausgestellt, dass Kinder in diesem Alter die intellektuellen Leistungen problemlos vollbringen können. Einige Mädchen, die bereits in diesem Alter begonnen haben, sind heute international bekannt oder Profis und schneiden auf großen Turnieren erfolgreich ab.

Können Frauen, die später mit Billard spielen beginnen, noch Profi werden?

Im Prinzip ja. Ich meine, eine 14- bis 17-jährige Jugendliche wird es einfacher haben, und kann es mit Fleiß und Training und etwas Talent weit bringen. Eine Frau, die mit 25 bis 30 Jahren anfängt, hat es wohl etwas schwerer. Die Nervenzellen beim Sehen, Hören, Fühlen, Tasten und Denken sind miteinander vernetzt. Billard spielen ist ein vielseitiger Prozess, der im zunehmenden Alter schwieriger zu erlernen ist.

Warum stehen so wenige Frauen in den Top 100?

Ich denke, Frauen sind nicht schlechter als Männer, es gibt einfach viel mehr Billard spielende Männer als Frauen. Deshalb meine ich sind sie auch unter den Besten stärker vertreten.

Wie ließe sich das ändern?

Es müsste bereits den Eltern klargemacht werden, dass die Billardlokale besser sind als ihr Ruf. Außerdem gibt es schon einige Lokale mit kinder- und jugendfreundlichen Trainingszeiten. Und auch die offiziellen Turniere wie Spieltage sind rauch- und alkoholfrei. Dies scheint mir auch die größte Angst der Eltern. Mädchen können bei Turnieren einen Riesenspaß haben, wie zum Beispiel beim Junior-Cup in Böblingen. Kinder lernen am Besten, wenn sie Aufgaben selber lösen. Das Selbstbewusstsein und Glücksgefühl, das besonders bei jungen Mädchen auf solchen Veranstaltungen ausgelöst wird, wirkt nachhaltiger als jede Belohnung. Und wer Spaß am Sport entwickelt hat, bleibt auch dabei.

Wann siegt eine Frau und wird Weltmeisterin bei den Männern?

Das weiß ich nun wirklich nicht. Aber dafür müsste mal eine gemischte WM stattfinden, um das herauszufinden.

Was zeichnet somit eine erfolgreiche Billardspielerin aus?

Für ein langes Turnier muss man selbstverständlich gut vorbereitet sein. Neben Konzentration und Ausdauer halte ich Entspannungstechniken für wichtig. Ein wenig Selbstüberschätzung hilft dabei, nicht zuviel Respekt vor dem Gegner zu haben. Vielleicht sind Männer einfach besser darin, sich einzureden, sie seien die Größten.

 

 

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